Farbmanagement

Was ist eigentlich Farbmanagement?

Gutes Colormanagement sorgt für korrekte Farben und ist für jeden digitalen Künstler wichtig: auf dem Monitor und auf ausgedruckten Fotos. Wie das zuverlässig gelingt, erläutert Benedikt Hartmann im Interview:

Benedikt, du bist ein Experte zum Thema Farbmanagement in Deutschland. Kaum einer hat in den letzten Jahren so viele Vorträge zu diesem Thema gehalten wie du. Sind unter deinen Zuhörern eigentlich nur Profis?

Nein, das Publikum ist sehr gemischt. Natürlich ist auch der Profifotograf dabei. Aber im Grunde verbindet alle das Gleiche: Die Liebe zur Fotografie und der Wunsch einer farbverbindlichen Darstellung der eigenen Fotos, von der Bildschirmdarstellung bis zum Druck. Denn der Bildschirm ist das Fenster zu meinen Fotos. Und diese sollten korrekt dargestellt werden, um Fehler in der Bildbearbeitung und Kosten in der Ausgabe zu vermeiden.

Die Bildschirmkalibrierung scheint auf den ersten Blick ein komplexes Thema zu sein. Sind Fotoamateure damit nicht überfordert?

Überhaupt nicht. Die Kalibrierung erfolgt vollautomatisch. Sie sollte alle zwei bis vier Wochen wiederholt werden, denn moderne LCD- und LED-Monitore ändern die Darstellung nach einer gewissen Zeit wieder. Der Vorgang selbst dauert nur wenige Minuten.

Es heißt immer, Laptops können nicht kalibriert werden und Windows sei für farbechte Darstellungen gänzlich ungeeignet.

Auch da muss ich widersprechen. Sicher, ein Laptopmonitor hat nicht die gleiche Darstellungsmöglichkeit wie ein professioneller Bildbearbeitungsmonitor. Aber in der Technik hat sich eine Menge getan. Und es ist auf jeden Fall sinnvoll, eine farbrichtige Darstellung auch auf dem Laptopmonitor zu haben. Und unter Windows ist die farbrichtige Darstellung genauso unproblematisch wie auf einem MAC.

Was zeichnet eigentlich einen guten Sensor aus?

Da gibt es ein paar wichtige Punkte: Das Messgerät sollte keine Gelatinefilter haben. Diese altern sehr schnell und schon nach kurzer Zeit sind die Ergebnisse verfälscht. Die Serienstreuung darf nur sehr gering sein. Und das Gerät sollte eine möglichst große Fläche vom Bildschirm ausmessen können. So werden Fehlmessungen aufgrund von Pixelfehlern des Bildschirms vermieden.

Zur Software: Gibt es hier auch ein paar Details, auf die man achten sollte?

Die Software sollte hardwarekalibrierbare Bildschirme unterstützen. Das heißt: Normalerweise wird das Farbprofil auf die Grafikarte des Rechners geschrieben. Es gibt Bildschirme, die eine eigene LTU eingebaut haben. Das Profil kann also direkt auf den Bildschirm geladen werden. Die Software sollte das erkennen und das Profil auf den Bildschirm laden. Das ist wesentlich genauer. Darüber hinaus sollte die Software die Möglichkeit bieten, die Helligkeit über das DDC-Protokoll direkt einzustellen. Das geht natürlich nur, wenn Monitor, Grafikkarte und Kabel diesen Standard unterstützen. Dies tun aber die meisten.

Welche Einstellungen sollte die Software besitzen?

Es sollten Voreinstellungen wie „Fotografie“, „Web“ oder „Druck“ vorhanden sein. Für die Bildbearbeitung oder Bildbetrachtung wählt man einfach die Voreinstellung „Fotografie“. Möchte man vorher wissen, wie die Bilder im Druck aussehen, dann wählt man die Voreinstellung „Druck“. Profis sollten alle Parameter selber auswählen können.

Was unterscheidet diese Voreinstellungen?

Im Prinzip gibt es bei der Kalibrierung drei Eckpunkte: Helligkeit, Farbtemperatur und Luminanz. Den Bildschirm kalibriert man in der Regel auf den Helligkeitswert von 120 cd. In diesem Bereich haben die Bildschirme ihre beste Qualität. Ist die Helligkeit des Bildschirms zu hoch eingestellt, kann es bei der Darstellung zu Farbverlusten in kommen, wie wenn man bei einer Stereoanlage die Lautstärke hoch dreht und die Musik zwar laut ist, aber es schwieriger wird, Nuancen zu hören. Die Farbtemperatur sollte bei der Bildbearbeitung 6500 K betragen. Dies entspricht Tageslicht im Schatten. Und jetzt kommt ein Unterschied in den Voreinstellungen. Ein Foto hängt meist im Innenraum. Dort liegt die Farbtemperatur oft bei 5000 K. Also ist es sinnvoll, sein Foto vor der Druckausgabe bei 5000 K zu betrachten. Lange galt bei der Luminanzeinstellung die Einstellung „Gamma 2,2“ als das Maß aller Dinge. Auch ich habe jahrelang diese Einstellung empfohlen. Bei genauer Betrachtung ist dies aber nicht mehr richtig. Dieser Wert stammt aus den Anfängen der Fernsehtechnik. Fernsehkameras hatten Schwächen in den Schattenbereichen. Deshalb wurden Röhrenfernseher in diesen Bereichen künstlich aufgehellt. Das ist heute nicht mehr nötig. Besser ist es, die Helligkeitsverteilung nach L-Star zu kalibrieren. Das entspricht der menschlichen Wahrnehmung. Aber wie schon erwähnt, übernimmt diese Einstellungen eine Software automatisch in den Voreinstellungen wie zum Beispiel „Fotografie“.

Wie sollte denn das Raumlicht beschaffen sein?

Dafür gibt es eine Faustregel: Der Bildschirm sollte die hellste Lichtquelle im Raum sein. Den Bildschirm der Helligkeit des Raumlichts entsprechend zu kalibrieren, ist im Grunde Quatsch. Ist das Raumlicht sehr hell, müsste ich den Bildschirm auch sehr hell einstellen. Das führt zu Farbverlusten. Eine perfekte Umgebung ist natürlich wünschenswert, aber in der Praxis oft nicht möglich. Am besten ist es, bei der Bildbearbeitung zum Beispiel einfach den Vorhang zuzuziehen.

Hast Du noch ein paar Tipps zur Bildausgabe?

Natürlich. Vor der Ausgabe ist es wichtig, den Bildschirm mit der Voreinstellung „Druck“ zu kalibrieren. Gute Dienstleister bieten den Download ihrer Druckprofile an. Diese Profile kann man dann beispielsweise in Lightroom in die Ansicht einbinden – sogenannter Softproof. Die Darstellung wird um jene Werte beschnitten, die der Druck nicht hat. Habe ich bei der normalen Darstellung noch Zeichnung in den Schatten und laufen mir diese im Softproof zu, habe ich noch die Möglichkeit, die Schatten in meinem Bild aufzuhellen. Die Darstellung meines Fotos am Bildschirm wäre dann zwar falsch, im Druck aber richtig. Der Bildschirm ist ein Leuchtmedium, das Foto wirkt insgesamt heller und brillanter. Der Druck ist ein Reflektionsmedium, die Darstellung ist etwas dunkler. Diafotografen kennen das noch: Der Abzug vom Dia entsprach nie dem Projektionsbild. Heute kann ich durch Bildschirmkalibrierung und Softproof dem entgegenwirken. Dies gilt übrigens auch für den Tintenstrahldrucker: Mit dem Treiber werden die Farbprofile mit installiert. Dies kann man genauso in die Ansicht einbinden. So ist es möglich, vorher das beste Papier für Dein Foto auszuwählen. Das spart Zeit und Geld.

Wer sollte also seinen Bildschirm kalibrieren und gibt es auch eine Möglichkeit, ohne Messgerät den Bildschirm korrekt einzustellen?

Jeder der fotografiert, sollte seinen Bildschirm kalibrieren. Leider geht das nur mit einem Messgerät. Der Mensch ist leider kein Messgerät, das kann man schon an einem einfachen Beispiel sehen: In einem Raum mit Neonlicht sehen wir alles farbrichtig. Unser Gehirn korrigiert also automatisch. Das sind schlechte Voraussetzungen für die Feststellung von Farbwerten. Dazu kommt noch, dass die Monitore keine detaillierten Einstellungsmöglichkeiten haben. Das ist nur über ein Farbprofil möglich und dieses kann nur eine Software erzeugen.

Vielen Dank für das Interview, Benedikt.

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